Für Alleinerziehende ist es unabdingbar, flexible Arbeitszeitmodelle in Anspruch nehmen zu können. Manuela liebt ihren Job als Krankenschwester. Und sie möchte ihn unbedingt ausüben, auch wenn sie alleinerziehend ist. Doch sie hat zuerst ihre Tätigkeit in einer Klinik und dann auch bei einem ambulanten Pflegedienst aufgeben müssen. Im Krankenhaus konnte sie ihren Dienst erst um 8 Uhr aufnehmen. Die Argumentation der Klinik war, dass zu dieser Uhrzeit schon die meisten Pflegetätigkeiten beendet sind. Aus meiner eigenen Erfahrung in verschiedenen Kliniken kann ich dies bestätigen. Waschen, Puls und Blutdruckmessen sowie Frühstück bringen läuft meist in der Zeit zwischen 6 Uhr und 8 Uhr. Die Klinik gab ihr deshalb den Rat, doch bei einem ambulanten Pflegedienst zu arbeiten. Als alleinerziehende Mutter konnte sie dort allerdings an Schultagen keine Spätdienste wahrnehmen. Der Frühdienst von 8 Uhr bis 12 Uhr läuft dann aber nur als 50 Prozent-Stelle. Und dies reicht ihr als Alleinerziehende einfach nicht. Ihre Lösung war, eine Weiterbildung als Kodierfachkraft zu absolvieren. Die Aufgabe dieser Fachkraft besteht in der Erfassung von ärztlichen Leistungen im PC. Doch auch hier währte ihr Glück nicht lange und sie musste die Stelle wegen Mobbing aufgeben. Inzwischen hat sie eine Vollzeitstelle in einem Seniorenheim. Dort herrscht großer Personalmangel und es ist eine Herausforderung, die Arbeit jeden Tag zu bewältigen. Am Anfang freuten sich ihre Kollegen über ihre Einstellung. Doch nach einigen Monaten änderte sich dies grundlegend. Es begann ein Gerede, dass für die Kollegin „Extra-Würste“ gebraten würden. Auch die Leitung vermittelte den Eindruck, solch eine „Acht-Uhr-Einstellung“ würde man nie mehr wahrnehmen. Manuela arbeitet genauso hart, wie alle anderen auch. Und sie hätte sich vor allem Unterstützung von ihrem Vorgesetzten gewünscht.  Ihr ist klar, dass die Pflege in den nächsten Jahren ihre Angebote für eine Familiengerechte Arbeitszeit erweitern muss, wenn sie nicht vollends scheitern will. Manuela ist sich sicher, dass die Unternehmensführung ganz klar kommunizieren müsste, dass flexiblere Arbeitszeiten notwendig sind, um Arbeitskräfte für die Pflege zu begeistern. Sie denkt, dass es durchaus möglich ist, die Arbeitsabläufe und die Zuständigkeiten dementsprechend anzupassen. Dies setzt eben Flexibilität von Führungskräften und Kollegen voraus.

Sie wünscht sich weniger Festhalten an althergebrachten Strukturen und dafür eine größere Öffnung zur flexiblen Gestaltung von Arbeitsstrukturen. Der demografische Wandel hat ja dazu geführt, dass immer mehr Menschen entweder zuhause oder in Pflegeheimen gepflegt werden. Und so sollte die Pflege mit der Zeit gehen und attraktive Arbeitszeitmodelle anbieten.

Annika oder: Es geht doch

Annika ist examinierte Altenpflegerin und alleinerziehend. Lange hat es gedauert, bis sie einen Arbeitsplatz gefunden hat. Immer wieder scheiterte sie, weil die potenziellen Arbeitgeber die Einschränkungen in der Verfügbarkeit im Schichtdienst nicht akzeptieren wollten. Jetzt hat es endlich geklappt. Die Möglichkeiten gegenseitigen Entgegenkommens wurden offensiv erörtert und in die Tat umgesetzt. Am Anfang wurde sie mit einem späteren Arbeitsbeginn in der Frühschicht eingesetzt. So hatte sie die Möglichkeit ihr Kind in die KITA zu begleiten und auch dort wieder abzuholen. Darüber hinaus wurde nur ein Dienstwochenende im Monat vereinbart, damit die Betreuung der Tochter gewährleistet ist. Allerdings war dies nur möglich, weil alle Optionen im Team besprochen wurden. Und: Ja, es ist und bleibt für die Wohnbereichsleitung eine herausfordernde logistische Aufgabe. Der Erfolg lässt hoffen, dass solche Übereinkünfte auch zukünftig Schule machen.