„Ausgebrannt sein“ ist kein alleinstehendes psychologisches Phänomen. Es gibt Untersuchungen, die unterstellen, dass bis zu 50% körperliche und organische Ursachen vorliegen. Deshalb möchte ich mich heute damit beschäftigen welche Rolle das Essverhalten beim Burnout spielt. Da ist zum Beispiel der Zucker. In den letzten 4 Jahrzehnten war die Menge an frei verfügbarem Zucker exorbitant hoch. Im gleichen Maße steigen auch Krankheiten wie Fettsucht, Diabetes Typ 2, Demenz und Burnout an. Wir Menschen im Westen essen zu viel Zucker und es erscheint schwierig, hier eine gewisse Abstinenz zu üben.

Wie verarbeitet der Körper Zucker?

Getreide ist Stärke und Stärke ist hintereinander geketteter Traubenzucker, der schon im Magen in seine Einzelteile zerlegt ankommt. Ein Großteil geht dann direkt in die Blutbahn. Interessant ist hier, dass unser Körper selbst Traubenzucker herstellt, weil er vom Gehirn benötigt wird. Nun gibt es ja den Spruch, dass Schokolade „glücklich macht“. Wenn der Zuckerspiegel in unserem Körper ansteigt, fluten uns sozusagen Glücksgefühle. Dies führt zu neuem Begehren und so weiter. Ich glaube, dass wir überhaupt nicht mehr wissen, wieviel Zucker wir in Wirklichkeit zu uns nehmen. Deshalb bin ich auch dafür, eine Art Ernährungsampel einzuführen, damit uns mal bewusstwird, wieviel Zucker wir denn wirklich zu uns nehmen. Der Körper muss nun den Zucker der im Körper ankommt, bis auf ein von der Natur vorgegebenes Maß reduzieren, denn Glucose ist hochreaktiv, bindet Körpereiweiße, karamellisiert diese und lässt sie unbrauchbar werden. Eine zumindest kurzfristige Rettung kommt aus der Bauchspeicheldrüse. Diese schüttet bei Zuckerkonsum Insulin aus, um möglichst schnell den Blutzuckerspiegel zu regulieren.

Welche Folgen ergeben sich daraus?

Die Folge ist dann ein Unterschreiten des Blutzuckergehaltes, und das Gehirn sendet quasi den berühmten „Yap“ auf etwas Süßes. Der Körper kann dieses „Auf und Ab“ tatsächlich eine Zeitlang kompensieren. Dies geschieht, indem der Blut-Kortisol-Spiegel langfristig erhöht wird und dann bei zuckerreichem Essen eine stark erhöhte Ausschüttung aus der Nebennierenrinde zulässt.

Wie beeinflusst das Kortisol unseren Körper?

Wir wissen, dass das Kortisol auf die Neurotransmitter Adrenalin und Noradrenalin wirkt. Diese Stoffe sind dafür verantwortlich, wenn wir bei Heißhunger unruhig werden, aber auch das Zittern bei Stress hervorrufen können. Das heißt, hier besteht ein kausaler Zusammenhang mit unserem Essverhalten. Wir fühlen uns beruhigt, die Stimmung hellt auf. Deshalb ist dieser Zustand auch mit der Verabreichung einer Droge zu vergleichen. Der erste Kick tut gut. Doch dann fordert der Körper mehr vom Ganzen. Spätestens jetzt kommt das Thema „Burnout“ ins Spiel. Es wird deutlich, dass sich der gestresste Mensch über das Essen selber stimulieren kann. Kortisol ist als das „Stresshormon“ bekannt, weil es bei Belastung von Körper und Seele aus der Nebennierenrinde ausgeschüttet wird.

Wie kommt es zu einem „Burnout“?

Bei dauerhafter Belastung, auf welcher Ebene auch immer und eben auch durch falsches Essverhalten kann der deutlich erhöhte Kortisol-Spiegel im Blut manchmal für Monate oder Jahre dauerhaft bestehen. Wenn nun die Anforderungen aus der „Innenwelt“, also zum Beispiel Erkrankung, Verletzung, Medikamente oder ähnliches, sowie aus der „Außenwelt“, wie Beruf, Familie, Partnerschaft exorbitant ansteigen, werden die Reserven an Kortisol erschöpft. So kann ein anscheinend banaler Auslöser das Stress-System zum Kippen bringen und das „Burnout“- Syndrom voll ausbilden. Es sollten eben immer beide Bereiche abgedeckt werden: Auf der einen Seite, die seelische und auf der anderen Seite die körperliche Komponente. Dies ist auch Ziel einer ganzheitlichen Therapie, wie ich sie anbiete. Die Chancen gestärkt aus der Krise zu gehen sind sehr gut.