Vor einiger Zeit habe ich es selbst erlebt: Ich lag im Krankenhaus und es war an einem Wochenende. Normalerweise beginnt der Tag um 6 Uhr. Waschen, Zähneputzen, Bett machen und um 7 Uhr Frühstück. An diesem Samstagmorgen ist alles anders. Die Uhr zeigt 8 Uhr und bisher war noch niemand in meinem Zimmer. Ich betätige die Klingel und warte. Die Minuten verrinnen und nach 15 Minuten bin ich genervt. Wieder betätige ich die Klingel und es dauert weitere 10 Minuten, bis eine gestresste Krankenschwester das Zimmer betritt. Ich frage freundlich, ob sie mir beim Waschen helfen kann. „Wir sind heute nur zu dritt auf der Station. Können Sie das auch alleine?“ Na gut, denke ich, irgendwie wird es schon gehen. Ich traue mich kaum, nach dem Frühstück zu fragen. „Wird schon kommen“, denke ich.

Szenenwechsel. Um 21 Uhr ist „Übergabe“. Die Tag-Schicht informiert die Nachtschwester über die Ereignisse des Tages. Um 22 Uhr 30 kommt die Nachtschwester, um sich bei mir vorzustellen. Sie fragt, ob ich ein Medikament zum Schlafen brauche und verlässt das Zimmer. In dieser Nacht kann ich nicht gut schlafen. Ich wache des Öfteren auf, weil ich die Klingel höre, die dann minutenlang klingelt. Am nächsten Tag höre ich, dass sie in der vergangenen Nacht für zwei Stationen zuständig war. Da wäre es angebracht, dass sie mit Rollschuhen oder Inlinern kommt, um vom einen Ende bis zum anderen Ende des Flures zu gelangen. Von Schlafen ist da keine Rede. Außerdem muss sie alle Medikamente für die beiden Stationen zusammenstellen, damit sie pünktlich am nächsten Morgen von den Patienten genommen werden können. Eigentlich ist ja auch so etwa um neun Uhr Visite. Der Stationsarzt erscheint mit seinen Mitarbeitern, einmal in der Woche darf ich sogar mit dem Chefarzt reden. Zeitfenster: Höchstens 3 Minuten, danach zieht die Karawane weiter. Ich durfte verschiedene Krankenhäuser testen. Einen Arzt habe ich am Wochenende in keinen Kliniken gesehen. Ich weiß, dass in der Notaufnahme reger Betrieb herrscht.

Doch nicht nur Kliniken, auch Altenheime sind chronisch unterbesetzt. Und Menschen, die ihre eigenen Angehörigen pflegen, brauchen ebenso viel Kraft, um den Alltag zu bewältigen.

Monika hatte 30 Jahre lang als Pflegekraft gearbeitet. Zuerst in der Altenpflege, später als Stationsleitung in einer Klinik. Sie liebt ihren Job, geht freundlich auf die Patienten ein, redet hier und da auch mal länger als 2 Minuten mit den Menschen. Irgendwann – sie kann überhaupt nicht mehr sagen, wann nehmen die schlaflosen Nächte zu und sie hat fast jeden Tag Bauchschmerzen. Schließlich geht sie dann doch zum Arzt. Die Diagnose des Hausarztes lautet: „Burn-Out“. Der Hausarzt macht ihr klar, dass sie kurz vor dem totalen Kollaps steht. Monika bricht noch in der Praxis in Tränen aus. Sie geht für 6 Wochen in eine Reha-Maßnahme. Nach dieser Auszeit setzt sie klare Grenzen, reduziert die Stundenzahl und achtet endlich mehr auf sich. Als sie merkt, dass die Situation auf der Station eher noch schlimmer wird, kündigt sie.

 

Michael ist mit seinen 37 Jahren examinierte Pflegekraft. In den ersten beiden Jahren arbeitet er in einer Notfall-Ambulanz. Es gab Monate, da hatte er nur drei freie Tage. Er hatte keinen 8-Stunden Tag, sondern die Schichten liefen oft über 10- oder 13 Stunden. Schließlich zerbricht seine Beziehung. Michael merkt, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Er kündigt und wechselt in eine Privatklinik in der Hoffnung, dass dort alles anders wird. Doch weit gefehlt! Es herrschen chaotische Zustände, Dienstpläne werden nicht eingehalten, er muss immer mehr Nachtschichten und spontane Vertretungsdienste übernehmen. Ich erinnere mich, dass ich einer Nachtschwester mal sagte, wie froh ich bin, dass sie da ist. Michael hört dies in einem seiner Nachtdienste von einer Patientin. Doch plötzlich bricht er in Tränen aus. Er hat das Gefühl, völlig überfordert und am Ende zu sein. Sein Arzt zieht in aus dem Verkehr und Michael fragt sich zum ersten Mal, was er für sich ändern möchte. Er lernt, „Nein“ zu sagen, wenn er „Nein“ meint und nicht mehr „Ja“ zu sagen, wenn er „eigentlich“ „Nein“ meint. Als Michael wieder auf seinen Arbeitsplatz zurückkommt, versichert man ihm, dass er vorerst keine Nachtdienste mehr machen müsse und man ihn auch sonst entlasten werde. 3 Monate später, ist davon leider nicht mehr die Rede. Als Michael „Nein“ zu den Anfragen sagt, erfährt er das Unverständnis der jungen Kollegen. Die Arbeitsbedingungen werden immer schwieriger. Die Stationsleiterin ist am Ende, eine Pflegekraft ist wegen eines Burn-outs freigestellt, ein weiterer so ausgelaugt, dass der Kollaps nur eine Frage der Zeit zu sein scheint.

 

Michael überlegt, ob der doch besser den Arbeitsplatz wechseln soll. Da ist zum einen die Belastung, aber auch die geringe Entlohnung. Zum anderen weiß Michael nicht, wie er mit seinem Gehalt irgendwann einmal eine Familie ernähren kann. Ja, der Pflegeberuf ist sein Traumjob. Zumindest könnte er es sein. Er hat schon mal überlegt, über die Missstände ein Buch zu schreiben. Denn sein Traum ist zu einem Albtraum mutiert und er fragt sich, wie es nun weitergehen kann.

 

5 Methoden um einen Burn-out abzubauen:

  • Die Arbeitssituation grundlegend verändern, wenn nötig einen Arbeitsplatzwechsel vornehmen.
  • Die sozialen Kontakte zu Freunden und der Familie stärken.
  • Die „50:10 Regel“: 50 Minuten konzentriert arbeiten und dann 10 Minuten Pause einlegen.
  • Entspannungstechniken, wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Fantasiereisen einbauen.
  • Coaching bei einem erfahrenen Burn-out Coach, gerne bei mirl